Eines meiner großen Urlaubsvergnügen ist der Besuch botanischer Gärten.
Weit über die Grenzen Italiens hinaus kennen Gartenliebhaber den botanischen Garten „Giardini Mortella" auf Ischia. Ich wusste wohl, dass Ischia eine kleine Perle im Golf von Neapel sein soll, berühmt für sein mildes Klima, seinen Reichtum an Thermalquellen und, mitbedingt durch die fruchtbare Vulkanerde, seine üppige Mittelmeervegetation. Auch darauf freute ich mich als ich nun endlich meine Reise nach Ischia antrat, aber mein Hauptinteresse war nach wie vor der Besuch der Giardini Mortella. Umso erstaunter war ich, als ich an der Hotelrezeption neben verschiedenem Informationsmaterial einen Prospekt entdeckte über einen anderen botanischen Garten, ganz in der Nähe.
Giardini Ravino, ein mir bisher unbekannter Name. Neugierig geworden machte ich mich schon bald auf den Weg und schon am Eingangsportal war ich verzaubert. Erstaunen, Begeisterung, Faszination...es ist nicht ganz einfach zu beschreiben, was einem dort erwartet. Man muss es einfach erleben.
Diese Syntese aus Schönheit, Kreativität, einzigartiger Sammlung sukkulenter und exotischer Pflanzen, in einem landschaftsarchitektonisch gelungenem Gesamtkomplex kombiniert mit einem modernen Konzept, das diesen Garten nicht nur für Pflanzenliebhaber interessant macht, muß jeden Besucher faszinieren. Hier ist auch ein für die Insel gesellschaftlich und kulturell wichtiges Zentrum entstanden. Kunstaustellungen, Seminare und Konzerte finden Eingang in das abwechslungsreiche Jahresprogramm.
Im oberen Teil des Gartens auf einem kleinen „Belvedere" können Besucher im Schatten mit puppengroßen Figuren eine Partie Schach spielen. Diese Terrasse wurde auf dem Dach der großen alten Zisterne errichtet, welche heute eine andere Nutzung erfährt. Der Raum, der vor allem für Ausstellungen und Veranstaltungen verschiedenster Art genutzt wird und erst kürzlich fertiggestellt wurde, besticht durch seine schlichte Schönheit und architektonische Raffinesse. Aber nicht nur hier, sondern an vielen Stellen im Garten wird die Symbiose aus Natur und Kunst hergestellt. So ergreifen auch viele Künstler der Insel und des Festlandes die Gelegenheit in diesem besonderen Ambiente ihre Kunst auszustellen. Skulpturen und Keramiken, Gemälde und Maioliken - die Austellungen wechseln sich ab und tragen mit dazu bei, dass auch die Ischitaner immer wieder den Garten besuchen.
Auf den Fundamenten des alten Weinreservoirs errichtete die Familie ein Cafe`, eine Bar. Auf diesem im mediterran-maurischen Stil errichteten Gebäude befindet sich eine wunderschöne Dachterrasse, auf die man über eine Außentreppe gelangt. Hier oben bei einem Sundowner den Tag ausklingen zu lassen sollten Sie nicht versäumen.
Giuseppe D'Ambra, der berufsbedingt viele Jahre in der ganzen Welt unterwegs war, sammelte auf seinen Reisen überall Samen von Kakteen und anderen sukkulenten Pflanzen. Zuhause auf Ischia kultivieret er sie, dank des speziellen Mikroklimas ( mit Temperaturen im Winter selten unter 8°C und wenig Regen)im Freien, jedoch in Pflanztöpfen. Im Jahr 2001 entschied die Familie, den an ihr Grundstück angrenzenden Weinberg zu erwerben. Nach 4 Jahren harter Arbeit konnte die Familie das terrassenförmig angelegte Grundstück von fast einem Hektar Größe als botanischen Garten für die Öffentlichkeit öffnen.
Die in Italien bedeutendste Sammlung von Sukkulenten mit Pflanzen , von denen einige im Laufe der Jahre eine Höhe von über 9m erreicht hatten und nun anstatt in Töpfen und Trögen im Freiland wachsen konnten ,wurde nun jedermann zugänglich. Über einen Paccour von Wegen, die sich durch das Gelände schlängeln und auch für Rollstuhlfahrer geeignet sind, wird der Besucher geführt. Ein Teil der ehemals dort wachsenden Rebstöcke wurde an Ort und Stelle belassen, zum Teil auch um schattenspendende Pergolen zu bewachsen. Auf verschiedenen Ebenen, oft über kleine Brücken miteinander verbunden, romantisch gestalteten kleinen Aussichtspunkten mit Bänken, die zum Verweilen einladen und einen immer wieder wechselnden Überblick über den Garten ermöglichen, können die Gäste staunen, genießen und zur Ruhe finden. Die mit viel Mühe und Liebe wieder aufgebauten Trockenmauern aus dem typischen Vulkangestein Ischias tragen ganz maßgeblich zum Charme des Gartens bei.
Nun könnte so eine große Sammlung von Kakteen und Sukkulenten, nach akademisch spezifischen Kriterien sortiert, für den Durchschnittsbesucher etwas langatmig sein. So aber nicht hier. Kreativ und abwechslungsreich sind die Kakteen zusammen mit unzählig vielen anderen mediterranen Pflanzen in Gemeinschaft angepflanzt. So wachsen zwischen Kakteen und Agaven in absoluter Harmonie Lavendel, Hibiscus , Zitrusfrüchte, Yucca, Drachenbäume und Jakarandas.
In einer etwas abgelegenen Ecke des Gartens wächst geschützt ein Exemplar der Wollemipine. Dieses Fossil aus Urzeiten und längst als ausgestorben geltend wurde 1995 zufällig in einem Canyon des Wollemi National Parks in Australien wiederentdeckt. Seitdem versuchen Pflanzenliebhaber in der ganzen Welt diese Pinienart wieder heimisch werden zu lassen. Auch der Eigentümer von Giardini Ravino hat ein aus dem Samen gezüchtetes Exemplar erworben und die fern der Heimat möglichst optimalen Voraussetzungen geschaffen, damit die Wollemipine hier gedeihen kann.
Die besondere Sensibilität für Schönheit und Anmut wird auch in dem Teil des Gartens deutlich, wo ein kleiner Wasserlauf angelegt wurde. Callas, Papyrus und Lotus lassen für einen Augenblick vergessen, dass wir uns auf einer Mittelmeerinsel befinden.
Familie D'Ambra hört nicht auf zu träumen und und hört nicht auf ihre Träume wahr werden zu lassen.
So gibt es immer wieder Neues zu entdecken!
Neuigkeiten erfahren Sie stets stets unter: www.ravino.it